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11 | 11 | 2016

Startup: Neues aus alter Wolle

Wolle? Das hört sich irgendwie altbacken an. Muss aber nicht so sein. "elbwolle" verarbeitet ein altes Naturpodukt zu allerlei neuen Dingen.

Was tun mit der Wolle, die Jahr für Jahr von tausenden Schafen der Region geschoren wird? Bisher landet sie auf dem Kompost. Ute Luft und drei Mitstreiterinnen mochten das nicht mehr hinnehmen. Sie starteten das Projekt "Elbwolle".

Schafwolle ist eine tolle natürliche Funktionsfaser. Wolle ist Wasser abweisend, trocknet schnell, knittert kaum, ist Schmutz abweisend, selbstreinigend und nimmt kaum Geruch an. Sie wärmt - und ist sogar als effektiver Langzeitdünger zu benutzen.

Dennoch landen Jahr für Jahr in der Schurzeit tausende Kilo Schafwolle ungenutzt auf dem Kompost. Denn selbst in Australien, wo 80 % der hierzulande käuflichen Wolle kommen, fielen die Wollpreise in den Keller. Folge: die deutschen Schafhalter werden ihre Wolle erst recht nicht mehr los. Zu klein die Herden, zu aufwändig die Sammlung und Verarbeitung, zu niedrig die Preise der Übersee-Wolle.

"Für ein Kilo Wolle bekomme ich 30 Cent," erzählt Marcel Luft, Mit-Initiator von "Elbwolle". "Aber ich sie auch noch auf eigene Kosten verschicken." Bedeutet: für ein 20-kg-Wollpaket bekommt er 6,00 Euro, muss aber durchschnittlich über 7,00 Euro für das Porto bezahlen.

Also landet die Wolle von tausenden Schafen üblicherweise auf dem Kompost, wo sie unverwertet vor sich hin rottet. Dieser Zustand ist für Ute und Marcel Luft unhaltbar. Sie starteten ein Projekt, welches der heimischen Wolle wieder Wert geben soll - "Elbwolle".

Wolle wieder einen Wert geben

Bereits in diesem Jahr haben sie begonnen, Wolle von Schafhaltern aus der Region zu sammeln, sie aufzubereiten und zu Softmöbeln, Kleidung, Düngepellets u. a. zu verarbeiten. Noch müssen viele Arbeitsschritte in andere Regionen vergeben werden (wie z.B. die Herstellung der Düngepellets) doch nach und nach soll die Produktion in die Region zurückgeholt und somit neue Arbeitsplätze geschaffen werden.

Spinnen, Stricken, Häkeln, Schneidern und Produkte erfinden sind wieder gefragt, um aus den Wollgarnen nützliche oder auch nur schöne Dinge zu machen. Inzwischen sind erste Produkte wie Flaschen- und Notizbuchhüllen, Bodenkissen oder Düngepellets erhältlich.

Mehr Informationen gibt es auf der Website von "elbwolle".

Foto: Färbekurs mit handgesponnener Wolle